Christophs Top 10 des Kinojahres 2011


An dieser Stelle die Top 10 des Kinojahres 2011 von Christoph Gumpert

Im abgelaufenen Kinojahr gab es ganze 54 Filme, die ich auf einer Skala von 0-10 im Bereich von 8-10 ansiedeln würde. Daraus eine Top 10 auszuwählen gestaltet sich durchaus schwierig und wenn ich mit meinen Ausführungen fertig bin hat sich bestimmt noch der ein oder andere Platz verschoben oder wurde gänzlich ausgetauscht.

Sechs Filme haben die Top 10 besonders knapp verfehlt: Der Plan mit der perfektesten Leinwandchemie des Jahres zwischen Matt Damon und Emily Blunt, der zurecht mit mehreren Oscars und zahlreichen weiteren Preisen bedachte The King's Speech, das experimentelle Doku-Projekt Life in a Day, einer der emotional mitreissendsten Filme des Jahres und Centerpiece des Fantasy Film Fest Perfect Sense, Susanne Biers mit dem Oscar für dem besten fremdsprachigen Film ausgezeichnetes Drama In einer besseren Welt, sowie das opulente Animationsspektakel Kung Fu Panda 2.

Auch bei der Top-Liste gilt, dass ich leider nicht alle potenziellen Kandidaten sehen konnte. Dazu gehören vor allem: This Must Be The Place, Eine dunkle Begierde, Die Haut in der ich wohne, Restless und Eine offene Rechnung. Berücksichtigt wurden, wie schon bei der Flop 10, lediglich Filme, die im Jahr 2011 einen deutschen Kinostart hatten. Wiederaufführungen, wie die restaurierte Langfassung von Fritz Langs Metropolis und Disney's König der Löwen wurden ausgeschlossen.

Platz 10: Der Gott des Gemetzels

Zwei Elternpaare treffen sich um über ein Aneinandergeraten ihrer beiden Söhne zu sprechen. Was völlig normal und gefasst beginnt, schaukelt sich langsam hoch bis hin zu völligem Chaos und liefert im Ergebnis: ganz großartiges Darstellerkino! Damit ein Film wie Der Gott des Gemetzels funktioniert, braucht man großkalibrige Schauspieler wie Christoph Waltz, Kate Winslet, Jodie Foster und, einen der unterschätztesten Schauspieler überhaupt, John C. Reilly. Alle vier laufen hier zu Bestform auf und jeder einzelne hätte einen Oscar für seine Leistung verdient. Ebenso Regisseur Roman Polanski, der das auf einem 80-seitigen Theaterstück basierende, zunehmend aufbrausende Kammerspiel perfekt in Szene gesetzt hat. Ich hätte dem Treiben gerne noch länger als die 76 Minuten bis zum Abspann zugeschaut, aber so ist der Film ein kurzweilig, durchgehend sehr unterhaltsames Stück Kino.

Platz 9: Geständnisse – Confessions

Confessions ist ein ganz besonderes und eigenes Rachedrama, das durchaus Tiefgang zu bieten hat. Der Film beginnt mit einem 20minütigen Eröffnungsmonolog, in dem eine Lehrerin ihrer Klasse enthüllt, dass der Tod ihrer Tochter, von der Polizei als Unfall eingestuft, in Wahrheit ein von zwei ihrer Klassenkameraden ausgeübter Mord war. Dabei verrät sie nicht nur, wer diese beiden Schüler sind, sondern auch, wie sie sich an ihnen rächen will. Dieser Monolog wird beinahe schon unerträglich ruhig vorgetragen und übt eine hypnotische Gewalt auf den Zuschauer aus. Doch dann folgt eine schockierende Enthüllung auf die nächste und die Charaktere zeigen ihr wahres Gesicht. Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt serviert. Und wie kalt sie hier serviert wird! Selbst die Bilder wirken blau-lastig unterkühlt. Doch Matsu Takako schafft es bei der kompromisslosen Ausführung ihres Racheplans dem Zuschauer auch die Emotionen ihrer Figur zu vermitteln und Mitgefühl zu wecken. Wirklich Sympathie für eine der beiden Parteien zu empfinden und sich auf deren Seite zu stellen ist trotzdem schwer bis unmöglich und das ist auch gut so. Confessions ist ein verstörender und brutaler Film (und das nicht nur im blutigen Sinne), ein perfekt geschriebener und ebenso makellos inszeniertes Rachedrama, das seinesgleichen sucht.

Platz 8: Super 8

J.J. Abrams's Film ist wie eine Mischung aus Stand By Me, Die Goonies, ein bisschen E.T. mit einem Schuss Cloverfield. Endlich wieder ein Sci-Fi-Streifen, bei dem die Charaktere nicht einfach egal sind sondern man wirklich mitfühlt und -fiebert. Die Kinderdarsteller leisten hervorragende Arbeit und wirken sehr natürlich, was vor allem daran liegen mag, dass es für einige von ihnen das erste Mal vor der Kamera war. Elle Fanning begeistert hierbei am meisten. Es ist Abrams hoch anzurechnen, dass die menschliche Geschichte und deren Charaktere immer im Vordergrund stehen, während er im Hintergrund durchaus beeindruckende Actionsequenzen abfeuert. Ein geschickter Zug, dass er es, was auch immer es sein mag, erst extrem spät zeigt. Zu jedem Zeitpunkt spürt man die Liebe zum Filmemachen und die Bewunderung für den frühen Steven Spielberg. Super 8 fühlt sich an, wie eine große Hommage an das (Sci-Fi-)Kino der 80er Jahre, ist aber letztlich viel mehr als nur das. In Zeiten leerer, emotionloser Materialschlachten à la Transformers eine dringend nötige, willkommene Abwechslung und eine Erinnerung daran, wie gut Science-Fiction-Kino sein kann. Ein fantastischer Film!

Platz 7: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn

Genau SO hätte ein vierter Indiana Jones Film sein müssen. Steven Spielberg hat es halt doch noch drauf, einen packenden Abenteuerfilm zu machen. Durchgehend spannende Handlung, optisch atemberaubend, großartige Action (und sicherlich DIE Actionsequenz des Jahres), da stimmt einfach alles. Allein technisch ein echtes Brett, der Film. Was man hier auf der Leinwand präsentiert bekommt sieht so unglaublich gut aus, da kann man schonmal vergessen, dass man in einem Animationsfilm sitzt. Die Kameraführung ist auffällig toll, in einem Animationsfilm hat man eben einfach andere Freiheiten und die bereits erwähnte Actionsequenz des Jahres folgt dem fulminanten Geschehen etwa 10 Minuten ohne einen einzigen Schnitt. Wahnsinn! Auch wurde nie Performance Capturing so perfekt eingesetzt wie hier, da hat sogar Daniel Craig mehr als 2 Gesichtsausdrücke. Endlich löst man sich von dem Glauben, eine auf Performance Capturing basierende Figur müsse hinterher auch so aussehen wie ihr Darsteller. Statt dessen bildet man die Charaktere so originalgetreu wie möglich ab und haucht ihnen echtes Leben ein. Insgesamt wurde der Film der Vorlage getreu umgesetzt und bietet viele kleine Anspielungen auf andere Hefte. Was will man mehr? Naja, MEHR DAVON!

Platz 6: Die Frau die singt – Incendies

Zwei Geschwister machen sich nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach ihrem Vater und ihrem Bruder um ihnen jeweils einen Brief der Mutter zu überbringen. Ihre Reise führt sie von Kanada in den Mittleren Osten und zu einer Unmenge Entdeckungen über die Vergangenheit ihrer Familie. Womöglich mehr, als ihnen lieb ist. Regisseur Denis Villeneuve inszenierte eine intensive, absolut kompromisslose, emotionale Achterbahnfahrt und mehr als einmal wird man als Zuschauer fassungslos und schockiert auf die Leinwand starren. Mieses Gefühl im Magen garantiert. Eigentlich ein perfekter Film. Das einzige, was ich kritisieren kann, ist, dass er am Ende schlicht zu konstruiert ist um komplett zu überzeugen.

Platz 5: Midnight in Paris

Eine fantastische und unsagbar witzige Komödie von Woody Allen! Eine Liebeserklärung an Paris, den Film, die Literatur, die Kultur. Um wirklich Spaß an dem Film zu haben, ist einiges an literatur- und kunstgeschichtlicher Vorbildung von Vorteil. Das hochkarätige Darstellerensemble ist durchgehend sehr gut, bis in die kleinsten Rollen ist der Film perfekt besetzt, doch begeistern kann allen voran Owen Wilson. Dieser darf hier endlich unter Beweis stellen, dass er die Bezeichnung Schauspieler verdient und weit mehr kann, als niveauloses Geblödel. Ein entscheidendes Plot-Detail wurde in den Trailern übrigens gekonnt unter den Tisch fallen gelassen, auf den Covern der deutschen Heimkinoveröffentlichungen leider jedoch nicht. Weniger zu wissen ist wieder einmal mehr! Der beste Woody-Allen-Film seit langem und einer seiner großartigsten Werke überhaupt.

Platz 4: Nader und Simin – Eine Trennung

Ganz großes Kino aus dem Iran, einem Land, in dem Filmemachen gar nicht mehr möglich sein sollte. Man sollte am besten gänzlich unvoreingenommen an den Film herangehen und im Vorfeld möglichst wenig über seinen Inhalt wissen. Soviel sei gesagt: diese Geschichte einer Trennung ist ein durchgehend spannendes, packendes und sehr menschliches Drama, das von einem glaubwürdigen, nachvollziehbaren Script, beeindruckender Regie und perfekten Darstellern getragen wird. Völlig zurecht hat der Film auf der Berlinale Preise für den Besten Film und Beste Darsteller/in abgeräumt. Dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film dürften allenfalls politische Gründe im Weg stehen.

Platz 3: The Tree of Life

Terrence Malick lässt sich in der Regel viel Zeit um einen neuen Film zu machen, doch wenn es dann soweit ist, kann man sich (fast immer) sicher sein, großes Kino auf der Leinwand zu erleben. The Tree of Life ist keine Ausnahme. Der Film mag nicht gerade leicht zugänglich zu sein und manch einer wird aufgrund des teils sehr religionslastigen Inhalts und der gesamten 'Arthouseigkeit' überhaupt keinen Zugang finden. Doch wer sich auf den Film einlässt und etwas Gabe zur Eigeninterpretation mitbringt kann in The Tree of Life viel entdecken. Mit- und Nachdenken ist hier wahrlich nötig, denn Malick sprengt bei seinem neuesten Geniestreich jegliche klassiche Erzählform und spannt seine Geschichte, in dessen Zentrum ein Familiendrama steht, von der Entstehung der Welt bis ins Jenseits. Ein höchst ambitioniertes Werk, das in unfassbar schönen Bildern eingefangen wurde. Wer also inhaltlich keinen Zugang findet, kann sich immernoch von der großartigen Bilderflut erschlagen lassen. Ein Film, den man im Kino gesehen haben muss! Anmerkung: Die erste Schnittfassung ging offenbar 8 Stunden, die Kinofassung hingegen nur 139 Minuten. Angeblich arbeitet Malick an einer 6-stündigen Fassung. Diese wäre dann möglicherweise leichter verständlich. Ich würde sie jedenfalls sofort ansehen!

Platz 2: Black Swan

Bereits im Januar kam Black Swan in die deutschen Kinos und was war das für ein Auftakt in das neue Kinojahr! Zuzuschreiben ist dies vor allem zwei Personen: 1. Natalie Portman, die hier eine unglaubliche toure de force hinlegt und eine der besten darstellerischen Leistungen hinlegt, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Kein Skandal über darüber, wie groß der Anteil der von ihr selbst dargebotenen Ballettszenen nun wirklich war, kann daran rütteln. Der Oscar musste kommen und er kam. 2. Darren Aronofsky. Auch er hätte meines Erachtens einen Oscar für seine Regieleistung verdient gehabt. Der Beitrag des Regisseurs zu großen darstellerischen Leistungen wird oft vernachlässigt und neben Natalie Portman führt er auch Vincent Cassel und Mila Kunis extrem gekonnt. Mit nur 13 Millionen Dollar hat Aronofsky einen ungemein packenden Film mit intensiver, geradezu elektrisierender Bildsprache geschaffen. Und obwohl man schon früh ahnen kann, wie der Film endet (und ein besseres Ende ist nicht denkbar), blickt man als Zuschauer dennoch über die gesamte Laufzeit gebannt auf das spannende Treiben. Lange war ich fest davon überzeugt, dass im Kinojahr 2011 kein Film mehr kommen könnte, der das Potenzial hätte Black Swan vom Thron zu stoßen. Doch dann kam …

Platz 1: Melancholia

Zu Lars von Triers Meisterwerk Melancholia muss ich wohl kaum noch viele Worte verlieren, dies habe ich ja schon mehr als ausführlich an anderer Stelle getan. Es ist der Film, der mich in diesem Jahr am meisten gepackt hat und über seine volle Laufzeit mitreissen konnte, der mich hinterher noch lange beschäftigt hat und auch nach Zweitsichtung nichts von seiner ungemeinen Kraft verloren hat. Meine ausführliche Meinung kann man hier nachlesen.


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Die Top 10 des Kinojahres 2011


Es ist wieder mal rum! Vorgestern sind die letzten Filme für dieses Jahr in den deutschen Kinos angelaufen, DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen bekommt man bis heute noch in den Videotheken. Insgesamt ein ordentliches Jahr, wie ich finde. Keine allzu vielen Highlights, aber auch keine vielen Enttäuschungen. Ich will mich an dieser Stelle auch nicht etwa über Statistiken oder dergleichen auslassen – wobei fest steht, dass ich in diesem Jahr nicht sehr häufig im Kino war, vieles habe ich auf Blu-ray nachgeholt -, sondern vielmehr auf zwei Dinge eingehen. Zum einen hatte ich sehr, sehr lange keine eindeutige Nummer eins. In den letzten Jahren wusste ich meist schon im ersten Halbjahr, was mein Favorit sein würde. Dieses Jahr hat es sehr lange gedauert, da ich ihn erst sehr spät gesehen habe.

Des Weiteren ist es auch keine Nummer eins, von der ich in allerhöchsten Tönen spreche oder die ich gar mehrmals gesehen habe. Sie ist eher eine Notlösung, da mich in diesem Jahr – was eigentlich sehr traurig ist – kein Film so richtig von den Socken gehauen hat. Einzelne Szenen oder Momente, ja, aber kein Film als Ganzes. Das hat mir 2011 schon irgendwie gefehlt. Natürlich stört es mich auch ein klein wenig, dass ich nun quasi die Standard Nummer eins habe, die man in diesen Tagen auf gefühlt jeder zweiten Liste liest. Aber sei's drum, das spricht nur weiter für den Film, dessen eine Sequenz ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Zum anderen wäre da die traurige Tatsache, dass die deutschen und amerikanischen Starttermine immer weiter auseinander klaffen. Die Hälfte nicht nur meiner Liste, konnte man so schon im letzten Jahr bei der amerikanischen Kritik finden. In diesem Jahr finden sich bei den amerikanischen Kollegen dafür wieder Filme, die bei uns erst kurz vor den Oscars oder gar danach anlaufen (z.B. Drive und Hugo). Dass das markttechnische Gründe hat, ist mir durchaus bewusst und macht ja auch Sinn, ist aber insofern schade, als sich die Listen dadurch immer weniger decken und eben um ein oder sogar mehrere Jahre nach hinten verschieben – erst recht bei den Dokus. Würde man nun ganz auf Festivaltermine verzichten und lediglich deutsche Kino- und Videostarts berücksichtigen, dann hätte ich mir meine Top 10 fast schon aus den Fingern saugen müssen.

Bevor wir zu den Filmen kommen vielleicht noch einige Filme, die ich nicht mehr geschafft habe zu schauen. Allen voran The Skin I Live In (La piel que habito), A Separation (Jodaeiye Nader az Simin) oder Hobo With a Shotgun. Besonders den Almodóvar hätte ich gern gesehen, weil ich anfangs überhaupt kein Interesse hatte, sich die positiven Stimmen dann aber überschlugen – und spätestens als ich von Nip/Tuck-Reminiszenzen hörte, hatte er mich. Sogar einen major wie The Fighter habe ich noch immer nicht gesehen (was diverser Meinungen aber auch nicht weiter schlimm sein soll). Das werde ich dann eben im kommenden Jahr nachholen. Plus weitere viele gute Filme, hoffe ich.

10. The Devil’s Double

09. Midnight in Paris

08. The King’s Speech

07. Black Swan

06. Super 8

05. Transformers: Dark of the Moon

04. The Veteran

03. Scream 4

02. The Woman

01. The Tree of Life

Runners-up: I Saw the Devil (Akmareul boatda), Margin Call, New Kids Turbo, Take Me Home Tonight, SUPER, A Serbian Film (Srpski film)


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Das waren die 83. Annual Academy Awards


Na, das war doch gar keine so schlecht Show, im Gegenteil. Auch wenn ich Anne Hathaway noch immer nicht leiden kann (die Augen und der Mund machen mir einfach nach wie vor große Angst), hat sie eine ziemlich gute Figur gemacht an der Seite des Sympathiebolzens James Franco. Vor allem die Eröffnungssequenz mit Freeman und Baldwin war gar nicht mal so unlustig, auch wenn man sich hier deutlich bei den MTV Movie Awards bedient hat. Aber das macht nichts, wirklich nicht, denn der Show hat der jüngere Anstrich durchaus gut getan, sehr gut sogar. Zwar hätte man etwas weniger betonen können, dass man jetzt ganz jung und hipp ist, aber sei's drum – schließlich feiert man sich ja immer noch selbst. So ging es in diesem Jahr dann auch recht zügig, auch wenn die Show so lange wie immer dauerte, kam sie mir deutlich spritziger und schwungvoller vor: keine fünf Damen oder Herren, die den/die beste/n Nebendarsteller/in präsentieren und dazu erstmal einen halben Roman von sich geben, kaum ewig lange Dankesreden, die nur aus Namen bestehen und vor allem keine Musicaleinlagen! Gut, die eine Nummer von Hathaway, aber die habe sogar ich verkraftet.

Überrascht war ich über die vielen Insider und selbstkritischen Witzchen, die immer wieder zum Besten gegeben wurden (allen voran Jude Law und Robert Downey Jr., aber auch Bale hat subtil an seinen Hit angespielt) – da hat man von den letzten Globes und Gervais wohl einiges abgeguckt. Bevor ich zu den Gewinnern übergehe, will ich aber noch kurz bei den Formalien bleiben, denn so richtig entzückt hat mich gestern Abend eigentlich keine Dame wirklich. Mila Kunis‘ Kleid war da noch das Beste, alle anderen waren ja eine mittelschwere bis schwere Katastrophe! Was sollte denn an dem Kleid von Jennifer Hudson beispielsweise so toll sein, außer dass Hanni und Nanni deutlich zu sehen waren und es sicher nicht allzu bequem hatten!? Sandra Bullocks Kleid war auch okay, aber rot? Ehrlich? Die Farbe ist doch mindestens so langweilig und übersättigt wie der schwarze Anzug bei den Herren (ich habe Downey Jr.s Anzug vom letzten Jahr vermisst, der sah klasse aus). Lob auch an Steven Gätjen, der wieder mal hervorragende Arbeit geleistet hat und dessen Garderobe stilistisch sowieso immer erste Sahne ist (ach ja: ProSieben, falls Steven in den nächsten Jahren zu alt werden sollte oder wegen was auch immer nicht mehr moderieren kann, würde ich seinen Job sehr, sehr gerne übernehmen!).

Vor allem war Gätjen auch mal wieder eine schöne Abwechslung zu den US-Kollegen, die in diesem Jahr fast einen neuen Tiefpunkt erreicht haben – so oberflächlich und langweilig kann dich keiner Fragen stellen und moderieren, oder? Der Herr Modeexperte mit dem weißen Vollbart brachte das Fass schließlich zum überlaufen! Zum Glück hielt sich Annemarie Warnkross' Zeit in Grenzen, denn die Frau ist nicht nur ein absolutes No-Go, ihre Moderation war gestern auch so hölzern und aufgesetzt wie selten zuvor. Bleiben wir bei Ärgernissen und gehen zu den Preisträgern über, von denen nicht nur viele eine sichere Bank waren (die ganzen Technikoscars an Inception, klar), sondern von denen viele auch enttäuschten. Allen voran der Regieoscar an Tom Hooper, der eigentlich an David Fincher hätte gehen müssen! Dass The King's Speech dann auch noch bester Film wird, ist eine Frechheit. Immerhin hat Aaron Sorkin den Preis fürs Drehbuch absahnen können – alles andere wäre aber auch ein Skandal gewesen. Den Soundtrackoscar hingegen hätte ich Alexandre Desplat viel mehr gegönnt als Trent Reznor und Atticus Ross, deren OST auch sehr gut war, keine Frage.

Alles in allem eine Show, die zum Glück nicht so zäh war wie die letzten Jahre. Ich glaube, die Frischzellenkur hat nicht nur dem Publikum, sondern auch der Show selbst gut getan, denn auch kleine Dinge, wie beispielsweise die Nutzung der Bühne(neffekte) waren in diesem Jahr schön. Und meine Güte, was für eine Show hat denn bitteschön Kirk Douglas abgezogen!? Zu erst dachte ich noch, dass er gar nicht Herr seiner selbst sei, nur um dann festzustellen, dass Douglas den größten Humor von allen besitzt. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Alten der Show nicht im Publikum sitzen, sondern hinter der Kamera. Franco und Hathaway dürfen im nächsten Jahr gerne wieder kommen – am besten mit Baldwin zusammen.


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Oscar Nominierungen 2011


Gerade wurden sie bekannt gegeben, Überraschungen gibt es eigentlich keine. Ich freue mich natürlich sehr, dass The Social Network in allen wichtigen Kategorien nominiert ist (auch wenn eine Nominierung für Andrew Garfield fehlt), ebenso The King's Speech, der mit 12 Nominierungen die Liste deutlich anführt. True Grit kommt immerhin auf 10 Nominierungen, der ja die diesjährige Berlinale eröffnen wird. Am 27. Februar wissen wir dann mehr. Schön auch, dass der deutsche Otto-Normal-Zuschauer in diesem Jahr viele der Nominierten bereits sehen konnte bzw. sie vor der Verleihung noch ins Kino kommen.


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Most Anticipated Films of 2011


Da ist es dann auch schon, das Jahr 2011. Und wieder stehen uns 52 Wochen voller Filme ins Haus, von denen ich einige ganz besonders erwarte. Im Februar geht es erstmalig auf die Berlinale, wo ich einige Filme bereits vorab zu sehen hoffe. Im März sind dann die Fantasy Filmfest Nights und im Sommer dann das Fantasy Filmfest. Gerade auf den beiden Letzteren dürften einige Filme zu sehen sein, die ich in diesem Jahr am meisten, nein am sehnlichsten erwarte. Zudem eignen sich die Festivals auch hervorragend dazu, Filme außerhalb des regulären Plans zu entdecken. Hier also meine zehn most anticipated films 2011, der deutsche Starttermin – falls bekannt – findet sich in Klammern:

The King's Speech (17. Februar)
Wurde 2010 von der amerikanischen und britischen Kritik ja gefeiert wie sonst nichts und dürfte schon jetzt ein absoluter Favorit für die Oscars sein.

Captain America: The First Avenger (21. Juli)
Comicverfilmung als period piece: Captain America (Chris Evans) kloppt sich mit Nazis (u.a. Hugo Weaving) – kann eigentlich kaum was schief gehen.

Battle: Los Angeles (14. April)
Sieht aus wie Transformers, nur ohne den Kindermüll – also wie perfektes Blockbusterkino.

The Girl with the Dragon Tattoo (unbekannt)
Vor einigen Tagen erst mit der Trilogie fertig geworden, gefiel mir der erste Teil mit Abstand am besten. Und seit The Social Network habe ich auch wieder vollstes Vertrauen in Fincher.

Armadillo (unbekannt)
Janus Metz Pedersen hat eine Einheit dänischer Soldaten im Camp Armadillo in der afghanischen Provinz Helmand begleitet. Soll Restrepo sehr ähnlich sein.

Machete Maidens Unleashed! (unbekannt)
Mark Hartley (Not Quite Hollywood) mit einer neuen Doku: dieses Mal erforscht er die Exploitationgefilde philippinischer Genrefilme der 70er – in denen noch ganzer Körpereinsatz gefragt war …

Scream 4 (unbekannt)
Wes Cravens vierter Aufguss, deessen Trailer mich erst neulich dazu brachte, mir den ersten Teil mal wieder anzusehen – und der sich mir erst bei dieser Sichtung in seiner ganzen Pracht präsentierte.

I Saw the Devil (악마를 보았다) (unbekannt)
Kim Ji-woons neuer Rachethriller soll nicht nur neue Maßstäbe in Sachen Brutalität setzen, sondern auch ein packendes Stück Film sein, über das ich bisher ausschließlich Gutes gehört habe. Aber bei Choi Min-sik vs. Lee Byung.-hun kann ohnehin nichts schief gehen.

Tabloid (unbekannt)
Errol Morris' Doku über die frühere Miss Wyoming, die einen jungen mormonischen Missionar missbraucht und eingesperrt haben soll. Interessantes Sujet und dann noch Morris' visuelle Kraft – eine sehr gute Kombination.

A Dangerous Method (unbekannt)
David Cronenbergs Neuer über die Freundschaft zwischen Carl Jung und Sigmund Freud und die Entstehung der Psychoanalyse. Eine Materie, wie geschaffen für Cronenberg.

Was habe ich vielleicht vergessen? Welche Filme erwartet Ihr im neuen Jahr am sehnlichsten?


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