Zwischen den Zeilen: 'The Ghost Writer'


Reichlich Geplänkel im Vorfeld eines Film bringt vor allem immer eines: Publicity. Dabei spielt es meist eine untergeordnete Rolle, ob diese positiv oder negativ ausfällt. Im Falle von Roman Polanski trifft irgendwie beides zu. Die einen echauffierten sich über das Verhalten der Schweiz und der USA, die ihn vor einigen Monaten festnehmen ließen, andere sahen es nur allzu gerne, dass Polanski für seinen Fehler in den 70ern endlich zur Rechenschaft gezogen wurde (und irgendwie ja wieder doch nicht). Seinem neuen Film The Ghost Writer, der vor einigen Tagen auf der Berlinale seine Premiere feierte – gedreht wurde zu einem guten Teil immerhin in Berlin und Umgebung -, kann der Trubel um seine Person eigentlich nur von Nutzen sein. Er ist in aller Munde, sein Film wird auf der Berlinale gespielt, was will er mehr? Da wirkt es wie die ganze Geschichte um ihn selbst nicht verwunderlich, dass es sich um einen Verschwörungsthriller handelt, einen mit durchaus aktuellen Bezügen, brandaktuellen sogar. Während Tony Blair erst vor einigen Tagen Rede und Antwort in einem Ausschuss stehen musste, der sich mit der Irak-Invasion im Jahre 2003 beschäftigt, droht das gleiche auch dem ehemaligen britischen Ministerpräsidenten (Pierce Brosnan) in The Ghost Writer.

Dieser soll für Kriegsverbrechen, namentlich Folter und Waterboarding, verantwortlich zeichnen. Doch auch Adam Lang ist nicht dumm, hat er sich doch frühzeitig in die USA abgesetzt, als deren Marionette er ohnehin gilt. Im Film munkelt die Presse, dass er stets den Willen des Verbündeten USA durchgesetzt haben soll, deshalb auch alle Minister entlassen habe, die dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge waren. Nun droht im der Prozess, da lässt sich die Außenministerin – natürlich schwarz und ihrem realen Pendant wie aus dem Gesicht geschnitten – mit ihm im TV blicken, man muss dem Verbündeten ja beistehen. Dies ist nur ein Beispiel für Polanskis Parallelen zum aktuellen politischen Geschehen und ist anfangs sogar noch relativ interessant. Je weiter sich The Ghost Writer aber in seinem Plot verliert, desto klischeehafter kommt er aber auch daher. Da verbündet sich der Ghost Writer der Lang-Memoiren (Ewan McGregor) mit dessen ehemaligem Verteidigungsminister, eine Rüstungsfirma sponsert Langs Luxusleben und die CIA rekrutiert anscheinend britische Intellektuelle, wenn sie nicht gerade unbequeme Ghostwriter ins Jenseits befördert. Was reichlich abstrus klingt, ist es die meiste Zeit auch, sorgt aber auch dafür, dass das Ganze sein Spannungsborgen nicht verliert. Polanski gelingt es immer wieder den Spannungsbogen auf einem Niveau zu halten, dass man das Interesse nicht verliert, auch wenn die Parallelen zur Realität durch ebenjene Verhandlungsläufe schnell wieder relativiert werden.

Zumindest zu einem gewissen Grad ist dies aber auch der Besetzung zuzuschreiben, denn vor allem bei Kim Cattrall fragt man sich ziemlich schnell, was die Gute hier eigentlich zu suchen hat. Auch Pierce Brosnans britischer Ex-Premier wirkt in erster Linie vielmehr wie ein dauergrinsendes Model für Anzüge, weniger wie ein führender Staatsmann. Genau diese Eigenschaft macht ihn dabei jedoch zur perfekten Marionette, die außer der Schale nichts Eigenes zu bieten hat und deshalb von anderen gesteuert wird – allen voran seiner Frau (Olivia Williams). Das Problem ist aber auch hier, dass dies den durchaus ernsten Ton des Filmes, den er ja bereits mit seinem Setting festigen will, in die genau andere Richtung kehrt, so dass die politische Inszenierung, die der Film zur Schau stellt, wiederum auch stets als filmische Inszenierung wahrgenommen wird. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie authentisch die Nachrichtenberichte mit den originalen Senderlogos gehalten sind. So ist man ab einem bestimmten Punkt kein Zuschauer dieses ganzen 'Politkabaretts' mehr, der über etwas mehr Einblick in die Situation verfügt als der Zuschauer, der das Ganze von zu Hause aus am Bildschirm verfasst, sondern begibt sich zusammen mit dem 'Ghost' auf Entdeckungsreise. Quasi die politische Version von The Da Vinci Code. Und auch hier kann das im besten Falle höchstens Hardcore-Verschwörungstheoretiker hinter dem Vorhang herlocken.

Mit The Ghost Writer ist Polanski, der vor fünf Jahren seinen letzten Film drehte, aber dennoch ein mehr als solider Thriller gelungen, der dank seiner Atmosphäre viel Boden gewinnen kann und dafür sorgt, dass man das Interesse so gut wie nie verliert. Ohnehin ist The Ghost Writer oftmals mehr Komödie als Thriller, das wird schon zu Beginn deutlich, wenn James Belushi den grimmigen Verleger mimt, der in diesem snobistischen London wie ein Fremdkörper wirkt. Gleiches gilt für den britischen Akzent, der jeden im Film sofort outet, und somit fast schon zum Running Gag mutiert (dito Ewan McGregor, der sich mehr als einmal über die schottische Herkunft der Langs lustig macht …). Doch auch dieser ist spätestens nach dem dritten Mal nicht mehr allzu lustig. Da sorgt dann schon eher Eli Wallach für ein breites Grinsen, der einen alten Inseleinwohner spielt, der als erster zwischen den Zeilen liest. Exakt dies hätte sich Polanski sowieso stärker zu Herzen nehmen sollen: den Zuschauer mehr zwischen den Zeilen lesen zu lassen. (7/10)


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'Valkyrie': Stauffencruises Film kostenlos sehen!


Zumindest die ersten sechs Minuten aus Valkyrie kann sich jeder kostenlos und legal anschauen (480p/720p/1080p). Ich für meinen Teil verzichte darauf, denn der Film steht ja bereits vor der Türe (auch wenn der deutsche (!) Anfangsmonolog von Cruise schon jetzt ein Klassiker zu sein scheint). Den restlichen Film gibt es ebenfalls kostenlos, dafür muss man aber Lehrer oder sonstiger Pädagoge sein. Das kostenlose Lehrer-Screening findet am Sonntag, 25.01. – also erst nach dem offiziellen Start – in Städten in ganz Deutschland statt. Karten kann man sich beim BildungsCent e.V. besorgen.

Ja, die Verantwortlichen scheinen wirklich nichts auszulassen, um den Film unters Volk zu bringen, denn auch bei uns in der Schule liegen bereits seit Wochen die Infobroschüren zum Film (immerhin mit einer schönen Chronologie der Ereignisse) aus. Fairerweise will ich aber auch anmerken, dass es zu schulisch relevanten Filmen ständig solche Lehrer-Screenings gibt.

(Via So Do Media)


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'Duplicity': Roberts/Owen, CIA/MI6 Trailer


Ich halte ja wirklich große Stücke auf Michael Clayton, aber der Trailer zu Duplicity, Tony Gilroys Neuem, sieht ja so was von belanglos aus (480p/720p/1080p). Dabei wirkt das Ausgangsszenario gar nicht mal so schlecht: Ex-CIA-Frau Julia Roberts trifft auf MI6-Mann Clive Owen und versucht sich nun mit diesem an einem hiesigen Job. Auch (wieder) mit von der Partie: Tom Wilkinson, der in Gilroys Letztem ja imposant zeigte, was in ihm steckt. Irgendwie scheint mir Duplicity aber ein spionageesker Abklatsch von Ocean's Eleven und Konsorten zu sein, und bereits diese tangierten mich nur periphär. Aber wie heißt es so schön? Richtig, abwarten und Tee trinken, denn bis zum 26.03.2009, dem deutschen Kinostart, ist es ja noch ein wenig hin.


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'Valkyrie': Finaler Trailer zur Hollywood'schen Geschichtsstunde


Da ist er also nun, der finale Trailer zu Bryan Singers Hollywood'scher Geschichtsstunde Valkyrie (480p/720p/1080p). Viel neues gibt es im Trailer, der plötzlich in einem anderen Bildformat daherkommt, nicht, dafür wird aber immer deutlicher, dass Christian Berkel (den ich für einen der besten deutschen Schauspieler halte) einen doch recht großen Part bekommen zu haben scheint. Ansonsten bleibt nach all der vielen Promotion der letzten Monate nicht mehr viel zu sagen, außer, dass die Musik, die gegen Ende des Trailers in Erscheinung tritt, wohl unpassender kaum sein könnte.


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'Valkyrie': Vier neue Fotos und neuer Trailer im Anmarsch


Tom Cruise United Artists hat vier neue Fotos zu Valkyrie veröffentlicht. Zudem soll morgen abend beziehungsweise bei uns übermorgen ein neuer Trailer erscheinen. Bei all dem Bashing, dem der Film seit Drehbeginn ausgesetzt ist, bleibt er für mich immer noch einer der most anticipated des kommenden Jahres.


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'Valkyrie': Neuer Trailer zu Stauffencruise


Gestern schaue ich mir Der Baader Meinhof Komplex im Kino an (nein, es wird kein Review dazu geben, der Grund dafür dürfte ja bekannt sein) und was sehen meine Augen da? Richtig, einen neuen Trailer zu Valkyrie. In deutscher Sprache und mit den billigen Schriftfonts (und einer an C&C erinnernden Europakarte, die rot anläuft) natürlich super cheesy. Im Original und etwas anders geschnitten, ist der neue Trailer (480p/720p/1080p) aber gar nicht mal so schlecht geworden – auch wenn ich den ersten Trailer zu Stauffencruise nach wie vor bevorzuge. Wobei, da spricht Cruise das Wort 'Führer' nicht so schön aus wie hier, wo es nämlich heißt: "You can serve Germany or the Fuhwäh, not both!" Nicht mal ein Wort bekommt der Gute in anständigem Deutsch über die Lippen …


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'Valkyrie': Neue Fotos & erneute Startverschiebung


Tom Cruises' period piece, Valkyrie, wird schon wieder verschoben – doch dieses Mal nicht wieder weiter nach hinten, sondern nach vorn. Starten soll das Stauffenberg-biopic in den USA nun doch noch dieses Jahr, und zwar am 26.12. Des Weiteren hat filmz.ru einige neue Fotos zum Film parat, die Stauffencruise unter anderem in der Wüste zeigen. Der deutsche Titel, der nun ebenfalls bekannt gegeben wurde, lautet übrigens Operation Walküre: Das Stauffenberg Attentat. Ob der deutsche Starttermin nun ebenfalls wieder vorverlegt wird, ist aber noch unbekannt.

Hmm, ob das irgendetwas damit zu tun hat, dass UA-CEO Paula Wagner heute bekannt gab, dass sie ihren Posten räumen wird …?


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Stauffencruise geht nach Afrika & Erste 'Valkyrie' Reviews

Tom Cruise in
Was lange ein Gerücht war, wurde nun bestätigt: Tom Cruises Valkyrie ist noch immer nicht im Kasten. Cruise und Singer drehen derzeit nämlich noch die finalen Szenen in Afrika: "Cruise will be shooting three scenes in North Africa within the next three weeks." (JoBlo.com) Des Weiteren sind erste 'Reviews' zum Film aufgetaucht: "Although the film has yet to be completed, several people I trust have seen 'Valkyrie' and testify that it's a superb thriller. 'Bryan Singer is back in form,' says one source, referring to the 'Valkyrie' director whose last film was 'Superman Returns.'" (Variety)

Für alle, die in Hinsicht auf die filmische(n) Qualität(en) von Valkyrie noch immer skeptisch sind (und das sind wohl die meisten), denen sei der Kommentar von JoBlo.com zum Newsartikel ans Herz gelegt: "I guess that this film is getting hate is just a mark of the times. I mean we've got a film from the guys that are responsible for THE USUAL SUSPECTS, that has Nazis, a dude that dresses like a pirate, Davy Jones himself, and oh yeah, the dude that dresses like a pirate is freaking Maverick. Ten years ago this film would've been more popular than sex." - Word!


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»We're crossing a line here. There's no going back from this!«

Cassandra's Dream
(Woody Allen, USA/UK/Frankreich 2007)
Kino

In den letzten Jahren verstand es Woody Allen durchaus, wie man einen intelligenten Thrillerplot geschickt mit einer Prise Humor verbindet und sogar noch einen Fokus auf das Zwischenmenschliche legt. Dabei favorisierte Allen London stets als zentrales setting, samt seiner Oberschicht. Dass es laut Allen gerade hier zu vielen Krimis kommt, spricht für sich. Cassandra's Dream setzt die Tradition fort, jedoch mit einem kleinen aber feinen Unterschied: Allen konzentriert sich dieses Mal nicht auf die oberen Zehntausend, sondern auf zwei Brüder, die charakterlich zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, im Kern aber beide gleich sind. Sie stammen nämlich nicht aus der Oberschicht, sondern aus dem normalen Gutbürgertum, der Mittelschicht. Der eine ist erfolgloser Restaurantspekulant, der anderer bodenständiger Automechaniker. Ian (Ewan McGregor) und Terry (Colin Farrell) komplettieren sich dabei perfekt: Während der eine die Autos seiner Kunden zum Gepose seines Bruders dazusteuert, unterstützt der ihn wiederum mit kleinen Finanzspritzen um dessen Schattenseite, das Glücksspiel, zu fördern – denn sie beide hoffen eines Tages auf den Jackpot, eines Tages muss er ja einfach kommen!

Glück, respektive Zufall, ist das, um was sich in Cassandra's Dream alles dreht. Es ist wie an der Börse, dieses Glücksspiel, das Spiel des Lebens, mal gewinnt man, mal verliert man. Es ist der Kick, die Aussicht auf Erfolg, sowohl sozialen als auch ökonomischen, der einen immer wieder dazu bringt, eben nicht aufzuhören, wenn es an der Zeit wäre. Grenzen verwischen dabei recht schnell, und so scheint es für die Brüder irgendwann keine mehr zu geben – Gewissen hin oder her. Dass Reichtum, egal in welcher Form, aber nicht immer nur Positives innehat, sollten die beiden spätestens in Form ihres Onkels (toll wie immer: Tom Wilkinson) realisieren. Der zeigt nämlich, dass es bei den Gutbetuchten ganz andere Probleme gibt – Allens vorherige beide Filme lassen grüßen und scheinen nicht nur storytechnisch präsent zu sein. Allens writing ist spätestens seit dem tollen Match Point und dem noch besseren Scoop stigmatisiert, sodass man schon nach wenigen Einstellungen realisiert, dass man sich hier in einem Film Allens befindet. Es ist jedoch nicht nur die Optik, über die sich Allen definiert, sondern auch so ein ganz spezielles Bauchgefühl, weniger eine Atmosphäre, die Allentypisch erscheint und in der man sich schlicht wohl fühlt.

Es ist ein gepflegtes Erscheinungsbild, nicht nur in Sachen Musik (Philip Glass), sondern auch in Sachen Figurenzeichnung und weiteren Erscheinungen von 'Mondänität'. Auch im Plot selbst zeigt sich diese, denn Allen verstehet es geschickt, Klischees und andere Unebenheiten zu umfahren und sich stets voll und ganz auf seine Figuren zu konzentrieren, die von McGregor und Farrell hervorragend getragen/gemimt werden. Allen will hier so viel, und im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren, die sich solch hohe Ansprüche stellten, gelingen ihm das meiste auch. Cassandra's Dream ist nicht nur Thriller, Lovestory und 'Komödie', sondern auch tolles Schauspielkino, das Farrell und McGregor fast schon als Dreamteam outet. Sowieso scheint Allen in Sachen Besetzung ein glückliches Händchen zu haben, was auch einmal mehr sein Neuester, gerade frisch in Cannes gezeigter, Vicky Cristina Barcelona zeigt. Das einzige, das man Cassandra's Dream vorwerfen muss, sind die enormen Längen, die das Ganze gut und gerne schon mal wie zweieinhalb Stunden wirken lassen. Zudem kommt das Finale nicht nur zu einfach, sondern auch viel zu abrupt daher. Und dennoch besitzt Allens Film solch eine interpretatorische Dichte, die sich für zahlreiche Diskurse bestens eignen würde, sodass man über kleine inszenatorische Schwächen gern hinwegsieht. (7.5/10)


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»I'm not the guy you kill. I'm the guy you buy!«

Michael Clayton
(Tony Gilroy, USA 2007)
Kino

‘Michael Clayton’Steuerflucht nach Liechtenstein, inländische Steuerhinterziehung, große Konzerne, die nicht von der Politik bevormundet werden, sondern die Politik bevormunden – man will es eigentlich gar nicht wissen, was da bei den Großen und Mächtigen alles hinter verschlossenen Türen vor sich geht. Jemand, der die Spuren, die dabei entstehen, beseitigt, ist Michael Clayton (George Clooney). Oder auch nicht. Zumindest beseitigt er Müll, und die Definition dieses ist Ansichtssache. Er ist kein Mann, der das Musterbeispiel einer integeren Person wäre, doch ist er auch nicht unbedingt das Gegenteil. Clayton ist ein vielschichtiger, undurchschaubarer Charakter, mal Familienmensch, mal Zocker, mal bester Freund, mal kalter Hund. Es ist genau dieser Vielschichtigkeit und Tiefe, die Clooneys Figur so interessant macht. Man könnte ihm ob seines großartigen Spiels stundenlang zusehen, was der Film im Prinzip auch macht. Es ist kein gewöhnlicher Thriller, ja, plottechnisch am ehesten noch, aber alles andere an Michael Clayton ist eifrige Detailarbeit, die man zu jeder Sekunde sieht.

Es ist kein Thriller, mit dem man es hier zu tun hat, vielmehr ein ruhiger Erzählfilm, der zwar eine gewissen Spannungsbogen besitzt, diesen aber in aller Ruhe spannt. Das Ausgangsszenario ist dabei aber so konstruiert, dass eine vorschnelle Auflösung nicht dringend benötigt wird, sondern so, dass man Clayton nahezu in Echtzeit begeleitet und den Fall mit ihm gemeinsam löst. Fast aus dem Nichts gelingt es Gilroy immer wieder Spannung aufzubauen, keine, die an den Nerven zerrt, aber genug, um am Ball zu bleiben. Clooney zur Seite steht ein fantastischer Cast, der so gut zusammenspielt, dass man nicht genug davon bekommen kann. Besonders Tom Wilkinson als latent verrückter Kanzleichef weiß in seiner Rolle zu gefallen, wohingegen Tilda Swinton zwar gut wie eh und je ist, aber von einem Oscar – besonders angesichts der Konkurrenz – dann doch ziemlich weit entfernt. Michael Clayton ist also, um es kurz zu machen, auch großartiges Schauspielkino, das ob des eher konventionellen Drehbuchs locker von seinen Darstellern allein getragen wird.

Nicht weniger positiv fallen Musik, Dialoge und Kamera auf. Letztere begeistert besonders, sind mir doch seit langer Zeit keine Bilder mehr aufgefallen, die so perfekt durchkomponiert und passend waren (von No Country for Old Men, der sowieso eine Klasse für sich ist, mal abgesehen). Sie ist metaphorisch, scheint die Gedanken der Figuren nonverbal zu äußern, sodass man sich voll und ganz auf die schönen Bilder konzentrieren kann. Besonderes Highlight ist Rolltreppenszene, die einen wunderbaren Übergang zum Abspann eingeleitet hätte, hätte sich Regisseur Gilroy nicht doch für das 0815-Ende, das Clooney aber immerhin noch mal voll und ganz fordert, entschieden. Michael Clayton ist lange nicht perfekt, nein, doch ist er ein intelligenter, ruhiger Thriller, der keinen ausgeklügelten Plot oder sonstigen Firlefanz benötigt um zu fesseln. Ihm reichen aussagekräftige Bilder, eine ordentliche Portion Ruhe und eine schauspielerisch große Darstellerriege. Ein schönes Beispiel dafür, dass ein Thriller nicht immer Action oder Psychoelemente haben muss, um zu fesseln – und dass George Clooney ein wirklich Großer ist. (8/10)


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