The New Frontiersman als echte Printausgabe in UK


In Großbritannien erschien vergangenen Freitag zusammen mit der Zeitung Metro eine 'echte' Printausgabe des New Frontiersman in Zusammenhang mit dem viralen Marketing zu Watchmen. Der Titel: 'Public Enemy Number One', der auf den missglückten Haftversuch von Rorschach durch das NYPD anspielt. Besonders die Marketingkampagne zu Watchmen gehörte ja mit zu den besten, seit es ebendieses gibt, aber das setzt dem Ganzen meiner Meinung nach wirklich nochmal die Krone auf. Zwar gibt es 'richtige' Artikel nur auf der Vor- und Rückseite, aber innovativ ist das allemal.

Natürlich gibt solch ein Stoff wie Watchmen auch nahezu unendlich viele Marketingideen her – ich habe ja nahezu alle hier im Blog oder bei Twitter angeführt. Einige weitere Bilder lassen sich nach dem Sprung finden. Vielen Dank an Viral Ad Network/Rubber Republic.

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Quis custodiet ipsos custodes? … Who Watches the Watchmen?

Watchmen
(Zack Snyder, USA/UK/Kanada 2009)
Kino

Es war immer die Rede, dass es unverfilmbar sei. Mit filmischen Mitteln ist eine solche Epik und eine solche Narrative nicht umzusetzen, da war man sich bei J.R.R. Tolkiens Jahrhundertwerk sicher. Gleiches galt auch für einen anderen Roman, einen grafischen, ebenfalls aus der Feder eines der größten Autoren der Neuzeit. Alan Moores Watchmen war dazu berufen das Comicgenre – oder vielmehr das der grafischen Novelle – maßgebend zu beeinflussen. Fanboys und Kritiker versuchen sich bis Heute mit Lob zu übertrumpfen (die New York Times führt das Werk bis heute in ihrer Top 100 der besten Romane), und jeder der das Comic gelesen hat, kann sich seinem Bann auch nicht mehr entziehen. Kein Wunder also, dass es nicht lange dauern sollte, bis Hollywood diesen Stoff, der eigentlich anti-hollywood'scher kaum sein könnte, für sich entdeckte.

Dennoch traute sich keiner so richtig, sich dem Werk anzunehmen; und so scheiterten dann auch unzählige Regisseure an Alan Moores Werk, von dem es einem immer noch schwer fällt, nicht in Superlativen zu sprechen. Irgendetwas zeichnet das von Dave Gibbons gezeichnet Meisterwerk aus, nur was ist es? Ist es sein Abgesang auf das Superheldengenre? Ist es die politische Aktualität in Zeiten einer äußerst unstabilen politischen Lage? Oder ist es ganz einfach die Narrative, die selten zuvor so ausgeklügelt und mit all ihren Eigenschaften erzählte? Was auch immer es nun alles ist, die viel wichtigere Frage, die man sich stellt, ist doch vielmehr, ob Zack Snyder diesem Mammutwerk gerecht wird? Die Antwort ist schnell gegeben: ja, er wird der Vorlage trotz einiger Zugeständnisse ans Studio und an das Medium Spielfilm gerecht. Man könnte nach all dem Säbelrasseln um Rechtsstreit und abgeändertem Ende auch sagen: mission accomplished!

Die Kamera zoomt langsam vom Close-Up in die Halbtotale hinaus, langsam lässt sich ein gelber Smiley-Button erkennen. Er gehört Comedian (Jeffrey Dean Morgan), der ebendiesen, wie der Name schon vermuten lässt, zu seinem Markenzeichen machte. Er sitz in seinem Apartment auf dem Sofa, schaut fern, da wird der Türschlitz von einem Schatten eingehüllt, der ihm zum Verhängnis werden soll … Es ist die Initialzündung, der Urknall für ein Kette von Ereignissen, die die Welt an den Rande des Dritten Weltkrieges bringen soll. Jeder, der das Comic gelesen hat, weiß, welche Bedeutung dieser für Millionen von Fans hat. Oft entscheiden die ersten Minuten eines Filmes über sein Schicksal, das ist hier nicht anders. Snyder inszeniert diese ersten 5 Minuten so wuchtig, so detailverliebt und so imposant, dass die Gänsehaut bereits beginnt, da lief noch nicht einmal der Vorspann über die Leinwand.

Letzteren nutzt Snyder dann auch äußerst wirtschaftlich, fasst er doch die wichtigsten Ereignisse rund um die Minutemen auf eine Art und Weise zusammen, die kaum besser und effektiver hätte aussehen können. Gleichzeitig spart er Handlungsstränge ein, ohne sie jedoch völlig zu ignorieren. Es ist, um es kurz zu machen, schlichtweg das Beste, was er hätte machen können. Und einmal mehr ist man vor allem von der audiovisuellen Wucht, mit der der Vorspann daherkommt, geplättet. Einen nicht gerade kleinen Teil trägt dazu vor allem auch die Musikauswahl bei. Abgesehen vom Score hat man sich auf Songs geeinigt, die den entsprechenden Szenen, in denen sie laufen, nicht nur eine gewisse Epik verleihen, sondern den Film zudem auch im setting der 1980er Jahre festigen. Da bekommt dann auch Nenas '99 Luftballons', ein sonst eher nerviger Song, eine völlig neue Konnotation, wenn er zu Dan und Lauries gemeinsamen Dinner spielt.

Ich könnte auf jeden Song und die dazugehörige Szene eingehen – die Beerdigung Comedians stellt dabei sicherlich das Highlight da, ist sie doch weniger pathetisch und heroisierend als vielmehr von einer nüchternen Traurigkeit durchzogen, die dem Ganzen einmal mehr gerecht wird) -, aber es würde nicht annähernd die Imposanz ebendieser widerspiegeln. Ferner markiert die Musik, wie gut es Snyder letzten Endes doch gelungen ist, die Vorlage von einem Medium ins andere zu transportieren. Wäre im Comic Musik gespielt worden, es wäre wohl jene gewesen, für die Snyder sich entschied. Doch auch das, was das bewegte Erzählen mit dem nicht-bewegten Erzählen gemein hat, setzt Watchmen so vorlagengetreu wie möglich um. So ist seine Hochglanzoptik, die, zugegeben, vielleicht doch etwas Fehl am Platz ist, stets von einem Grauschleier überzogen, der dem Ganzen die notwendige Tristesse verleiht und somit auch dem ganzen Rahmen, in dem sich Watchmen befindet (politische Situation, Abgesang aufs Genre, Gesellschaft), gerecht wird.

Dass dies bisweilen dünnes Eis ist, liegt in der Natur der Sache. In Zeiten eines The Dark Knight, eines bevorstehenden X-Men Origins: Wolverine und anderen Comicgrößen dem Publikum eine Verfilmung zu präsentieren, die eigentlich anti-klimatisch ist und alles andere als diese (Anti-)Helden verherrlicht, ist kein Leichtes. Und um ehrlich zu sein, gelingt dies dem Film auch nicht immer. Die (Action-)Zugeständnisse sind dann doch recht offensichtlich, und auch wenn sich diese in Grenzen halten, so sind sie dennoch vom typischen Inszenierungsstil der angeführten Kollegen geprägt. Die wenigen Kämpfe, in die die Minutemen verwickelt werden, sind dafür jedoch von einer comichaften Überzeichnung geprägt, die einmal mehr an die Vorlage erinnern. Natürlich wird auch hier schnell geschnitten und es gibt auch die eine oder andere Zeitlupe, aber Snyder scheint aus 300 – bei dem ihm dieses ja oft vorgeworfen wurde – gelernt zu haben.

Richtig überraschend in den Actionszenen hingegen, ist der Grad der Gewalt, der hier präsentiert wird. Natürlich war die Vorlage alles andere als implizit, erst recht, wenn man die Zeit bedenkt (immerhin war es eine Zeit, in der noch nicht von Folterpornos und dergleichen gesprochen wurde), aber was Snyder hier vom Stapel lässt, ist besonders für einen amerikanischen Mainstreamfilm doch bemerkenswert. Da werden Arme abgetrennt, Menschen explodieren und Dr. Manhattans Penis (wie gesagt, amerikanischer Mainstreamfilm) bekommt man natürlich auch zu sehen. Nur geraucht wird nicht – und jeder weiß, dass Laurie so gut wie auf jeder Seite raucht -, was dann wohl auch unter Zugeständnis ans Studio fallen dürfte. Dennoch ist dies nicht unbedingt positiv zu bewerten, denn gerade hier stellt sich die Frage, warum Snyder in solchen Aspekten der Vorlage den Rücken kehrt (wenn ich es richtig verstehe, 'dematerialisiert' Dr. Manhattan seine Opfer nur, lässt sie aber nicht zerplatzen), die eigentlich keiner Abänderung bedurft hätten.

Andere Aspekte hingegen, die einer Abänderung beziehungsweise Einsparung bedurften (ein DC ist ja aber bereits angekündigt), meistert Snyder größtenteils jedoch äußerst gut und intelligent. Lässt er vor allem in der ersten Hälfte noch kaum einen Handlungsstrang aus, konzentriert er sich in der zweiten eher aufs Wesentliche (so fehlt aus gutem Grund beispielsweise die komplette Nebenhandlung um den Psychologen und seine Frau). Leider wirkt die zweite Hälfte dann aber auch recht schnell abgespult, so, als würde man nach all den komplexen Ereignissen schnell noch die finale Apokalypse nachreichen und den Deckel schließlich zumachen. Neben dem neuen Ende – das Snyder jedoch recht plausibel zu erklären weiß – das wohl deutlichste Opfer einer solchen Produktion. Andere kleine Details wie Rorschachs (Jackie Earle Haley) Vorliebe für Würfelzucker, die keine Erwähnung findet, sind dabei nur Tropfen auf den heißen Stein, die angesichts der Größe des Ganzen nicht weiter ins Gewicht fallen.

Bei alledem, was Snyder für die Transferierung von einem Medium ins andere jedoch opfern musste (oder opfern wollte), ist es dennoch beachtlich, was am Ende bleibt. Ob es für Nicht-Kenner der Vorlage ebenfalls ein kohärentes Ganzes ergibt, wage ich zwar zu bezweifeln, aber die Verfilmung richtet sich primär sowieso an jene, die mit der Vorlage vertraut sind, das wird schnell deutlich. Etwas, das nur weiter für Snyder und seine geglückte Mission spricht. Zwar dürfte Watchmen, da bin ich mir sehr sicher, nie auch nur ansatzweise am Status eines The Dark Knight kratzen – dafür sind die beiden einfach schon ob ihrer Vorlage viel zu verschieden, ja sogar gegenteilig und sprechen zudem unterschiedliche Zielgruppen an -, aber im Zusammenspiel mit Tales of the Black Freighter und Under the Hood, die man hoffentlich in den DC integrieren wird, wird Snyders Film der bessere der beiden sein. Und dennoch wird er nie an seine literarische Vorlage anknüpfen können. (9/10)



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