US Trailer zu Cronenbergs 'A Dangerous Method'

In Venedig feiert er in diesen Tag seine Premiere, in Toronto wird er ebenfalls bald zu sehen sein, bis er allerdings nach Deutschland kommt, dauert es leider noch etwas. David Cronenbergs Freud/Jung-'Biopic' A Dangerous Method hat einen neuen Trailer, nämlich den domestic US-Trailer, der einmal mehr große Lust (welch passendes Wort hier) auf mehr macht. Auch das frisch erschienene Poster sieht gar nicht mal übel aus. Deutscher Start ist nicht wie beim ersten Trailer erwähnt der 11., sondern der 10. November.

(Via /Film)


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Trailer zu David Cronenbergs 'A Dangerous Method'

At last! Lange habe ich auf den Trailer zu einem der Most Wanted 2011 gewartet, nun ist er da – David Cronenbergs neuer Film A Dangerous Method. Und der erste Trailer sieht natürlich toll aus, nach typischen Cronenberg-Themen eben. Sehr erfreulich auch, dass der Film doch noch dieses Jahr in die Kinos kommt, nämlich am 11. November. Leider noch etwas hin, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

(Via Mostly Movies)


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Das Streben nach Perfektion: 'Black Swan'


Bereits Natalie Portmans sonst so unschuldig wirkendes Gesicht, das mit Make-Up nur so zugekleistert ist und auch das Poster zu Black Swan ziert, wirkt irgendwie unheimlich. Es ist die Subtilität, die Andeutung, aus der Darren Aronofsky den wahren Schrecken bezieht – wie in der wohl berühmt-berüchtigsten Szene aus Requiem for a Dream oder der finalen Szene aus The Wrestler, die von lautstarkem Fangeschrei untermalt wird. Auch das Finale in Black Swan ist laut: Das Publikum ist einmal mehr anwesend; nicht nur das Publikum im Kinosaal – welches konträr dazu muxmäuschenstill ist -, sondern allen voran das Opernpublikum, das gerade dem Finale von Schwanensee entgegenfiebert. Nina Sayers (Natalie Portman) steht im Mittelpunkt, hat schließlich das erreicht, von dem sie immer zu geträumt hat. All ihre Zeit und Kraft hat sie in diesen Auftritt investiert. Er soll nicht nur ihre Katharsis sein, sondern auch eine Art Denkmal, mit dem sie wie bereits ihre Vorgängerin (Winona Ryder) unvergesslich werden soll. Was nach einer weiblichen Version von The Wrestler klingt, ist in der Tat eine folgerichtige und konsequente Fortsetzung zu Mickey Rourkes Wrestlerdrama, mit dem er sich zurück an die Spitze katapultierte.

Der Unterschied zwischen The Wrestler und Black Swan – bei all den Parallelen, die beide Filme miteinander verbinden – ist allerdings, dass es sich bei Nina Sayers um die Rolle ihres Lebens handelt (bei Rourke ja eher um eine Renaissance). Portmans Spiel ist so eindringlich und authentisch, dass Rollen wie Königin Amidala, für die sie lediglich traurig dreinschauen musste, nahezu vergessen scheinen. Portman ist die perfekte Besetzung für Nina, die gefangen ist zwischen Selbsterfüllung, Selbsthass und der Entdeckung ihrer selbst. War sie in nahezu all ihren vorherigen Rollen noch die unschuldige Sauberfrau, verwandelt sie Aronofsky in einen buchstäblich weißen Schwan, der allerdings auch die böse Zwillingsschwester in sich trägt. Aronofsky ist sich der Ambiguität von Portmans Figur bewusst und weiß diese geschickt für sich zu nutzen. Wirkt Nina in einer Szene noch wie das unschuldige 13-jährige Mädchen, das lediglich tanzen möchte und auf alles hört, was ihre Mutter (Barbara Hershey) ihr sagt, ist sie in der nächsten Szene die undschuldige Lolita, die weiß, was sie will. Nina erscheint wie ein Gustav von Aschenbach, hin und hergerissen zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen.

Dieser ist dann auch jener Konflikt, auf den sich Aronofsky mit seinem Film konzentriert. Während Nina zu Beginn noch wie das zerbrechliche kleine Wesen wirkt, dem man am liebsten zu Hilfe eilen würde – wunderbar veranschaulicht durch Aronofskys tracking shot, den er bereits in The Wrestler häufig zum Einsatz brachte -, entwickelt sie sich im Laufe des Filmes immer mehr zur selbstbewussten Frau. Sie durchlebt eine Art zweite Pubertät, die sie nicht nur physisch, sondern vor allem auch psychisch verändert, ja selbstständiger macht. Es sind genau jene Momente, in denen Black Swan offenbart – und doch wieder nicht, da vieles lediglich angedeutet wird -, das es sich primär um einen psychologischen Film handelt und nicht etwa um einen Horrorfilm. Aronofsky kombiniert Motive des Horrorfilms mit denen des Psychothrillers und kann somit nahezu komplett auf selbstzweckhafte Darstellungen oder gar Szenen verzichten. Es ist ebenjene Andeutung, die seinen Film so spannend und psychologisch interessant machen. Man fragt sich schließlich, welche Schuld Ninas Mutter trifft, wenn sie ihre Tochter dazu zwingt ihre Nägel möglichst kurz zu halten oder sie spätabends nicht mehr aus dem Haus zu lassen. Ist das alles nur Selbstschutz oder ist Ninas Mutter ein erfolgloses Abbild ihrer selbst, das es nie zu Ruhm und Ehre geschafft hat, der Nina nun sicher scheint? Auch Barbara Hersheys körperliche Präsenz spielt hier eine wichtige Rolle, scheint sie im Gegensatz zu Ninas zerbrechlicher Statur doch fast schon ein Ungetüm zu sein.

Black Swan ist ein buchstäblich physischer Film: Aronofsky bereitet Ballet, das einen eher langweiligen Ruf hat, so auf, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, was zu einem Großteil natürlich auch Portman selbst zu verdanken ist, deren Leistung gerade auch deshalb nicht zu unterschätzen ist. Black Swan besitzt nicht wenige Szenen, die gerade ob der spektakulären Balleteinlagen den Eindruck vermitteln, dass hier viel technische Arbeit dahintersteckt, und zwar für alle Beteiligten. Vor allem in seinen Motiven ist der Film aber eine Art Körperkino. Psychische Qualen und Schmerzen entladen sich immer wieder in physischen Wunden, für deren Intensität der Film dann doch hin und wieder eine etwas drastischere Darstellung wählt. Ohnehin ist Black Swan ein sehr dunkler Film. Es gibt nur wenige Szenen, in den überhaupt Tageslicht wahrnehmbar ist oder gar dominiert. Die meiste Zeit verbringen wir in gedimmten Balleträumen oder in dunklen Opernsälen, die in Kombination mit dem sehr lauten Sounddesign und Clint Mansells wunderbarem Score, der gekonnt Motive des Schwanensee verarbeitet, alles andere als einladend und gemütlich sind. Aber gemütlich oder gar angenehm ist an Black Swan sowieso rein gar nichts. Will man die Grazie des Ballet genießen, so ist es beispielsweise Vincent Cassel, der mit seiner unterkühlten und unberechenbaren Figur alles aus dem Gleichgewicht bringt.

Es ist gerade dieses Gleichgewicht, das Nina sucht, aber zu keinem Zeitpunkt im Film findet. Auch für Aronofsky ist das Gleichgewicht kein wünschenswerter Zustand. Wenn er gerade nicht am Ballet selbst oder Ninas Psyche interessiert ist, sind es die sexuellen Untertöne, die sich durch den gesamten Film ziehen, und die mal subtiler, mal weniger subtil – der ganze Film ist ohnehin auch als eine Deflorationsmetapher zu lesen – den Film noch verstörender wirken lassen. Trotz großer Oscarchancen mag Black Swan kein Film für die Ewigkeit und auch kein Meisterwerk sein, auch, weil er bisweilen unfreiwillig komisch anmutet. Black Swan dürfte vor allem aber eines sein: der Film, der Natalie Portman ewig anhaften wird. (8.5/10)


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