»Do I look like I care what people think?«

Hancock
(Peter Berg, USA 2008)
Kino

Will Smith steht vom Boden auf, die Kamera folgt ihm vom Boden in die Luft, sie dreht sich. Nicht ein Mal, nicht zwei Mal, sondern eine halbe Ewigkeit, eine halbe Ewigkeit dreht sie sich in 360-Grad-Manier um den Titelgebenden Protagonisten, Hancock. Diese eine Einstellung kommt nicht von Ungefähr, und sie erinnert nicht zufällig an Smith in Bad Boys II. Peter Berg, das hat er bereits mit The Kingdom eindrucksvoll gezeigt, scheint langsam aber sicher Michael Bay in Sachen Optik in nichts nachzustehen. Es ist die Art, Action zu inszenieren, seine Helden zu porträtieren und sie abzufeiern. Bei den einen verursacht dieses Kameragezappel Kopfschmerzen, andere können davon nicht genug bekommen. Und so findet sich bereits in der Eröffnungsszene von Hancock eine deutliche Parallele zu Bays Actionvehikel. Hancock (Smith) macht jagt auf drei Asiaten, die ähnlich den Rastas bei Bay für ordentlich Chaos auf dem Highway sorgen.

Hancock macht kurzen Prozess mit ihnen, er ist launisch und es fließt nicht gerade wenig Alkohol durch seinen Blutkreislauf. Genau das macht den eigentlichen Antihelden Hancock aber aus. Er ist launisch, unhöflich, Alkoholiker, pflegt keinen feinen Umgangston, kurz: Er ist asozial. Diese Idee des asozialen Superhelden, der keinem Topoi folgt und sowieso ziemlich 'anders' ist, ist für sich genommen eine sehr schöne Idee. Berg setzt diese auch sehr schön um, wenn er Hancock alle nur erdenklichen Zerstörungsszenarios durchlaufen lässt und mit jeder Menge Gleichgültigkeit gegenüber Autoritäten und Mitmenschen füllt. Da kann auch PR-Mann Ray (Jason Bateman) nicht mehr helfen, denn wir alle wissen, was es mit Alkoholikern meist für einen Lauf nimmt … Fast paradox erscheint dabei auch die Tatsache, dass man diesem asozialen Geschehen voller Freude folgt, sich daran erlabt, wenn Hancock kleine Kinder in die Luft wirft und sie damit wohl ihr Leben lang prägt. Ja, dieser Hancock ist schon ein subversives Kerlchen, und der Film erst recht.

Berg spielt dabei nicht nur mit den Autoritäten und der Gleichgültigkeit der amerikanischen Vorstädtler, sondern auch mit den Medien, wie die You-Tube-Szene mit Hancock und dem Wal eindrucksvoll zeigt. Das macht alles ziemlich großen Spaß, wie gesagt, der Höhepunkt ist dabei sicherlich der Eintritt Hancocks ins Gefängnis, wenn er dort seine Muskeln spielen lässt, Köpfe in Körperteile eindringen lässt und somit gleichzeitig auch noch mit Gefängnis(film)klischees spielt. Doch dann, man will seinen audiovisuellen Rezeptoren kaum glauben, bricht Berg mit alledem – zugunsten eines 0815-Superheldenplots, der nichts mehr von dem Charme und Witz der ersten Hälft erkennen lässt. Es ist ein Bruch, wie er nie gern gesehen wird, einer der schmerzt, aus einem guten Film einen nicht nur mittelmäßigen macht, sondern sogar noch tief greifender zerstört. Plötzlich wird erklärt, warum Hancock über die Kräfte verfügt, die er nun auch im Konsens mit der Stadt nutz. Das ist an sich ja nichts schlechtes, nur ist die Auflösung inklusive lächerlichem Plottwist so dermaßen klischeeträchtig und doof, dass man es Berg nicht durchgehen lassen kann.

Dabei versprühen Smith, der für die Rolle wie gemacht zu sein scheint, und seine Kollegen so viel Witz und Charme, dass man dem Geschehen eigentlich noch gerne weiter gefolgt wäre – nur eben nicht so. Bereits der Trailer machte ja deutlich, dass Hancock gegen Ende eine andere Richtung einschlagen würde. Dass er all seine Subversivität und Anarchie, die er in der ersten Hälfte so konsequent aufbaut, aber dann zugunsten eines Hollywood-Klischeeendes verschenkt, war allerdings nicht zu erwarten – und auch nicht zu hoffen. Da hätte man sich doch einmal gewünscht, dass der Trailer noch mehr vorwegnimmt und man sich das Ganze dann gleich hätte sparen können. Nur dieses eine Mal. (5/10)


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'HanCOCK' …


FilmDrunk.com beweist mal wieder, warum es zu den besten Filmblogs überhaupt gehört – I loled. Übermorgen weiß ich dann übrigens auch, ob Hancock tatsächlich mehr cock als Hancock ist …


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Was würdest Du tun?

I Am Legend
(Francis Lawrence, USA 2007)
Kino

I Am LegendHmm, komisch, aber irgendwie habe ich kaum Lust, darüber etwas/viel zu schreiben. Das spricht per se nicht gegen den Film, aber auch nicht gerade für ihn. Richtig, das Mittelmaß, das ist es, dass I AM LEGEND wohl am trefflichsten beschreiben würde. Der Film befindet sich sogar leicht über dem Mittelmaß, denn allein die Ausgangssituation ist schon mehr als beeindruckend (auch wenn es dieses Setting ja schon in den beiden vorherigen Filmen gab). Ich meine, was würde ein jeder von uns tun, mit was würden wir uns die Zeit totschlagen? DVDs leihen (wie altmodisch!), mit Puppen sprechen und auf Frischfleischsuche gehen, wie Will Smith alias Robert Neville dies alles tut? Ich meine, man hat ganz New York zur freien Verfügung, man kann jedes Auto fahren, das man will, alles essen, was man findet, alle Regeln ignorieren, die es gibt – fragt sich nur für wie lange? Neville hat dies alles längst hinter sich, er beschränkt sich nunmehr aufs Wesentliche, hat seine Pubertät quasi hinter sich. Es geht ihm um eine Lösung des Problems, um die Frage nach Schuld und Sühne.

Seine Katharsis bekommt er auch, so viel darf man wohl verraten. Neville krallt sich an Dingen fest, die der Zuschauer für lächerlich, ja geradezu infantil ansieht – ohne jedoch selbst in der Situation zu stecken. Und erneut stellt sich die Frage: Was würde ich tun? Neville wird nicht geistig krank, zumindest nicht schwerwiegend. Er hat Gott(es Geschöpfe), und die (traurige) Gewissheit, dass er an alledem eine Mitschuld trägt, die es zu tilgen gilt. Besonders hier zeigt I AM LEGEND seinen christlichen Kontext deutlich. Das Ganze wirkt wie das Jüngste Gericht, ein Armageddon, das dem biblischen extrem nahe kommt. Neville verliest die Zahlen, 90 Prozent der Menschheit auf einen Schlag tot, und daran sind sie selbst schuld. "God didn't do this. We did!" Und selbst Nevilles finale Blasphemie ist nur ein weiterer Indikator dafür, dass auch er sündig geworden ist und das Paradies sogar ihm vorenthalten wird. Angesichts Smiths Überzeugungen natürlich alles andere als verwunderlich, dass es gerade er ist, der diesen christlich-konservativen Film trägt. Er tut dies mit Bravour, keine Frage.

Zumindest so lange er allein ist, denn danach geht es mit dem Film leider ziemlich Bergab. Man bekommt mehr von den Infizierten Zombies/Vampiren/Wasauchimmer zu sehen, die man eigentlich nie richtig sehen wollte, zumindest nicht deren mäßige CGI. Sie brechen mit dem vorher mühsam aufgebauten Szenario, verwandeln den Film von einem Drama in ein Horrorfilm, der wie maßgeschneidert aufs junge Zielpublikum zugeschnitten ist – 28 WEEKS LATER, 30 DAYS OF NIGHT, DAWN OF THE DEAD und Co. lassen grüßen. Vom mehr als enttäuschenden und prompt einsetzenden Ende ganz zu schweigen. Eines muss man ihm dann aber dennoch lassen, nämlich seine Schockmomente. Diese erreicht er zwar wie fast jeder Teenhorror in erster Linie durch plötzliche Tonüberraschungen, diese sind aber nicht nur dank THX erste Sahne. Bis zu besagtem Finale ist Lawrences Film aber sowieso eine schöne, leicht zu verköstigende Charakterstudie, die interessante Fragen stellt, ohne dabei aber Antworten zu geben. Will Smith als "Dr. Apokalypse" ist wirklich große Klasse, und so hat mich besonders jene Szene, in der er die Puppe in der Videothek anspricht, doch wirklich berührt – ein wirklich toller Moment.

I AM LEGEND verschenkt sehr viel Potential, das wird es wohl am ehesten treffen. Und dennoch wird er die Kassen klingeln lassen, das hat nicht nur der total gefüllte Saal gestern deutlich gemacht (der ansonsten eher mäßig besetzt ist). Es ist Kino, wie es auf die Masse zugeschnitten ist – ein Superstar als Aufhänger, Action für die Jungs und genug Elemente, um auch das weibliche Publikum anzusprechen (Smiths Morgengymnastik). Der erste große Blockbuster des Jahres und ich muss feststellen, dass ich wohl langsam doch zu alt für so etwas werde. Ich werde wohl auch zu alt mich an meine eigenen Vorgaben zu halten, denn jetzt ist das Ganze hier worttechnisch doch epischer geworden, als ich eigentlich vorhatte. (6-7/10)


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Die ersten 3 Minuten zu I AM LEGEND

Und auch zu I AM LEGEND gibt es jetzt ein paar Minuten des Anfangs. Hier kann man sich das gute Stück runterladen.

I Am Legend

[Quelle: filmz.ru]


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