»What do you suppose happens back home if you die here?«

The Chronicles of Narnia: Prince Caspian
(Andrew Adamson, UK/USA 2008)
Kino

Krieg ist eine schlimme Sache, das weiß jedes Kind. Doch was tun, wenn Krieg verherrlicht wird, als einzige Lösung betrachtet wird, um einen Konflikt zwischen zwei Parteien – oder um es gleich deutlicher zu machen, zwei Völkern – zu lösen? Bereits The Lion, the Witch and the Wardrobe zeigte eindrucksvoll, wie man kriegerische Auseinandersetzungen romantisieren kann und dabei die Kameradschaft und Überzeugung, respektive Ideologie in den Mittelpunkt des Ganzen setzt. Fast mutet es wie ein vermeintlicher Antikriegsfilm à la Tears of the Sun an, der vom politischen Kinogänger meist unwiderruflich verschmäht wird. Der Vergleich mit Fuquas Militärverherrlichungsparabel beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Aussagen selbst, sondern auch auf den Inhalt – mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Prince Caspian einige Jahrhunderte früher ansetzt. Es herrscht ein erbitterter Kampf um das gelobte Land, mit zwei klaren Lagern: auf der einen Seite, der der Guten, finden sich die Christen, auf der anderen die Muslime.

Schilde, auf denen ein Kreuz prangert. Es sind die Waffen unserer Protagonisten, der im ersten Teil erretteten Seelen. Ihnen gegenüber stehen Männer mit langen Bärten, mit dunklem Teint und gebrochenem Englisch, dass mehr nach Terrorist als nach Adel klingt. Zudem verstecken sie sich hinter komischen Masken, die schon in 300 für eine klare Trennung sorgten. Was könnte es friedlich sein, wären da nur nicht diese Männer, die die wunderbare Schöpfung vernichten wollen und ganz Jerusalem Narnia für sich haben wollen. Sie stehen nicht im Einklang mit dieser Natur, wie es die Christen tun, sondern verachten diese beiden. Doch so homogen diese finsteren Gestalten auch sein mögen, einer tanzt aus der Reihe, Prinz Caspian (Ben Barnes). Doch hat er überhaupt eine Wahl? Er fügt sich nicht den Lehren des Patriarchats, wird deshalb zum Tode verurteilt und muss fliehen. Fliehen in den Westen, wo er nach anfänglichen Differenzen (schließlich spricht er noch immer gebrochenes Englisch und hat lange, schwarze Haare) jedoch herzlich aufgenommen wird. Schön dich mit uns zu haben, Konvertit.

Doch das Böse muss besiegt werden, dabei bleibt der Kampf natürlich die einzige Handlungsalternative. Man nehme die großen Reden aus The Lord of the Rings: The Return of the King, dito die Schlachten und multipliziere das Pathos um ein vielfaches. Da ist man dann auch schon mittendrin im Klimax von Prince Caspian, die Erscheinung der Redundanz mit dem Vorgänger ist natürlich reiner Zufall. Es geht einmal mehr ordentlich zur Sache, und man bekommt noch deutlicher zu sehen, was Kinder eigentlich nicht zu sehen bekommen sollten, nämlich rohe Gewalt. Doch damit nicht genug, denn wenn eine kämpfende Maus kurz bevor sie einem Gegner ihren Degen in den Kopf bohrt noch einen frechen Spruch von den Lippen lässt, dann ist auch das Höchstmaß an Zynismus nicht mehr zu übersehen. Spätestens hier erscheint die komplette Saga als Paradoxon, denn sie unterläuft ihren eigenen Anspruch um ein Vielfaches. Da nutzt auch die überdeutliche christologische Parallele zur Meeresteilung – Moses Peter (William Moseley) führt sein Volk aus Ägypten, während die Araber im Meer ertrinken – nicht mehr viel.

Das Einzige, was hier wirklich wertfrei ist, ist die CGI, die bisweilen wirklich zu beeindrucken weiß, andere Male jedoch wieder wie in den Kinderschuhen steckend wirkt (Maus mit Degen). Das zeigt aber nur allzu deutlich, wie ambivalent Prince Caspian ist. Für Kinder ob seiner Gewalt gänzlich ungeeignet, zeigt er uns seine heilsgeschichtlich aufgeladenen Metaphern, die bisweilen zwar schön anzuschauen sind, weil auch nicht allzu didaktisch, in großen Teilen aber leider simple schwarz-weiß-Malerei betreiben. Egal ob Kreuzzüge, Afghanistan oder Irak, Prince Caspian ist eine Parabel auf alle (Glaubens)Kriege. Die Rollen und die Motive sind dabei klar verteilt: Es geht um Loyalität, Kameradschaft und Prinzipien – Werte, die für Kinder alles andere als bedeutungslos sind beziehungsweise seien sollen. Schade nur, dass Adamsons Film(e) dabei die falsche Zielgruppe anpeilt. Aber sehen wir es doch positiv: Wie vielen Erwachsenen fehlen ebendiese Werte? Und schließlich sieht Erziehung vor, dass Eltern Kinder lehren, nicht vice versa. (6/10)


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