Schwarzeneggers 'The Last Stand' nur gekürzt in deutschen Kinos


Na toll! Nach dem Red Band Trailer hatte ich so richtig Lust auf Kim Jee-woons The Last Stand, Arnold Schwarzeneggers großes Comeback. Doch welch traurige Nachricht macht heute die Runde? The Last Stand wird in den deutschen Kinos nur geschnitten laufen. Um 22 Sekunden hat Splendid Film den Actionthriller gekürzt, so dass sie ihn statt mit einer FSK-18-Freigabe mit einer FSK-16 in die Kinos bringen können. Klar, mit einer 16er erreicht man ein deutlich größeres Publikum als mit einer 18er, ergo lässt sich auch mehr Geld verdienen.

Ob es Splendid bei dieser Entscheidung wirklich um ökonomische Aspekte geht, ist aber natürlich reine Spekulation. Es ist aber umso trauriger, da Splendid sonst ein großer Verfechter von ungekürzten Fassungen ist, man denke nur an ihre 'Black Edition' oder die Tatsache, dass sie beide The Expendables-Filme uncut ins Kino gebracht haben. Ungeschnitten soll The Last Stand dann auf DVD & Blu-ray erscheinen. Immerhin.


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Feministische Rebellinnen: 'Tausendschönchen' Blu-ray Review


Wir sehen Bilder der Zerstörung. Feuerbälle, Flugzeuge, Kreuzer, Explosionen. Es sind die Kriege des 20. Jahrhundert – Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg und aus Vietnam. Parallel dazu bewegt sich ein Teil einer Maschine, die nicht genau definierbar ist, in ihrem Bewegungsablauf aber an eine Ölförderanlage erinnert. Schnitt. Zwei junge Frauen sitzen in einem Freibad und ihre Bewegungen klingen mechanisch – als ob sie Maschinen wären. Die Farbpalette hat in den ersten paar Minuten bereits mehrere Male gewechselt, von schwarz-weiß über ein knalliges orange bis hin zu einem faden blaugrau. Schon bald kann man weder Zeitpunkt der Wechsel, noch die Farben selbst bestimmen, so plötzlich und farbenfroh kommen diese. Mal sieht das, was man zu sehen bekommt, aus wie ein Pop-Art-Gemälde, mal wie ein Märchen und ein anderes mal wie ein '80s-Musikvideo (Peter Gabriel und a-ha scheinen sich hier reichlich bedient zu haben). Ja, Tausendschönchen (Sedmikrásky) ist einerseits ein Kind seiner Zeit, andererseits seiner Zeit aber auch weit voraus.

'A Mad-Cap Feminist Farce' heißt es auf dem US-Poster, und in der Tat, die feministische Note kann man dem Film alles andere als absprechen. Marie I (Jitka Cerhová) und Marie II (Ivana Karbanová) haben genug vom kleinen Mädchendasein. Wenn die Welt schon verdorben ist – man erinnere sich an die Kriegsbilder zu Beginn –, warum sollten dann auch sie nicht verdorben sein? Gesagt, getan. Fortan spielen sie ihren Mitmenschen böse Streiche, machen das, was ihnen gerade in den Sinn kommt und schrecken sowieso vor nichts und niemandem zurück. Als erstes werden die wohlhabenden alten Männer wie Weihnachtsgänse ausgenommen; und so dominiert plötzlich die Frau den Mann und nicht umgekehrt. Die beiden machen sich ihr gutes Aussehen zunutze und helfen dem Ganzen mit ihrer Kleidung nach. Bedenkt man die Tatsache, dass Tausendschönchen ein tschechisch-slowakischer Film von 1966 ist, dann dürfte man sich schon ob der Freizügigkeit der beiden Damen kaum wundern, dass die heimischen Zensoren Vera Chytilovás Film schnell im Giftschrank verschwinden ließen.

Doch es ist nicht nur diese Freizügigkeit, die Tausendschönchen für die Zensoren so 'gefährlich' machte, denn was Marie I und Marie II hier 75 Minuten lang tun, ist nichts anderes als sich gegen die Obrigkeit, den Staat und seine Gesetze, aber auch die Gesellschaft und ihre Normen, aufzulehnen. Sie halten sich nur noch an ihre eigenen Gesetzte und sonst an rein gar nichts. Am Ende wird dem Ganzen sogar noch die Krone aufgesetzt, wenn eine Texttafel enthüllt, dass dieser Film all jenen gewidmet ist, die sich am meisten über das Haar in der Suppe aufregen. Und davon gibt es eine ganze Menge in der Tschechoslowakei. Besonders in der Mittel- und Oberschicht, denn die einfache Toilettenfrau ist den beiden Frauen gut gesinnt. Doch selbst die bestehlen sie und schieben es sich gegenseitig in die Schuhe. Es ist wahrhaftig ein einziges Chaos und später sogar eine Schneise der Zerstörung, die die beiden hinterlassen. Auch wenn ein wirklich Plot nicht existiert, gehen Handlung und Bilder eine perfekte Symbiose miteinander ein, so dass sie irgendwann untrennbar zu sein scheinen. Auch fast 50 Jahre später haben diese nichts von ihrer Wirkung verloren und lassen noch immer staunen, welche technischen Register hier alle gezogen wurden.

Tausendschönchen einzuordnen ist sehr schwer. Das feministische Manifest wirkt wie ein Wegbereiter und Vorfahre für heutige Gross-Out-Gesellschaftssatiren wie New Kids Turbo. Irgendwo zwischen avantgardistischer Bildsprache, Performance-Kunst, Surrealismus, Pop Art, Wagner-Klängen und Märchen findet diese kleine fast schon vergessene Rebellion zweier Frauen statt, die politisch und künstlerisch nachhaltig prägte. Es erfreut daher umso mehr, dass sich kleine Labels wie Bildstörung solcher Filmschätze annehmen und diese somit einem breiten Publikum zugänglich machen. (7.5/10)

Die Blu-ray (als SE oder LE mit Soundtrack) von Bildstörung ist am 27. Juli erschienen (Amazon-Partnerlink) und besticht durch einen hervorragenden HD-Transfer, der den Film noch mal um einiges intensiver werden lässt. Der Ton ist selbst für Mono-Verhältnisse sehr gut. Abgerundet wird die Vorzeige-Veröffentlichung durch ein Essay-Booklet, einen Audiokommentar und eine Doku zum Film. Bildstörung zeigt mit dieser grandiosen Veröffentlichung einmal mehr, dass es das beste Label auf dem deutschen Markt ist.


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'The Texas Chainsaw Massacre' ist nicht mehr beschlagnahmt!


Das ist die wohl schönste Nachricht des Tages, wenn nicht sogar der Woche! Für Filmfans ist es ohnehin die Nachricht des Jahres. "Mit Wirkung zum 06. September hat die 31. große Strafkammer des Landgericht Frankfurt am Main die allgemeine Beschlagnahme von Texas Chainsaw Massacre aufgehoben." Ich wiederhole: Seit sechs Tagen ist Tobe Hoopers Horrorklassiker nicht mehr beschlagnahmt! Turbine Medien, die den Film letzten Herbst remastered auf DVD und Blu-ray veröffentlicht haben – und die Scheibe ist sehr schön geworden -, haben es nach drei Jahren endlich geschafft, den Film von der Liste der 131er (§131 StGB) gestichen zu bekommen. Ich habe die intensiven Diskussionen bei Cinefacts immer wieder verfolgt, bei denen Turbine sich immer wieder zu Wort meldete, und kann es daher immer noch nicht glauben.

Ich hoffe, dass dieser Fall Schule macht, denn Turbine haben damit gezeigt, dass die Kunst am Ende doch siegt: "Damit sprach man Texas Chainsaw Massacre nach 26 Jahren vom Vorwurf der Gewaltverherrlichung und der menschenunwürdigen Darstellung frei." (Schnittberichte.com) Wollen wir hoffen, dass Thomas Recht behält und es The Texas Chainsaw Massacre am Ende sogar noch mit einer adäquaten FSK-16 in die Kaufhäuser schafft.


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Träume, die hoffentlich nie wahr werden …


Träume sind meist eine sehr persönliche Sache, was auch der Grund ist, weshalb ich solch ein Traumerlebnis niemals in einem Blog breittreten würde. Anders aber letzte Nacht: ich habe keinen blassen Schimmer, weshalb ich gerade davon geträumt habe, aber es handelt sich um etwas, das ich nur zu gerne teile, ist das Thema doch vor allem unter Filmfreunden ein stets aktuelles und vor allem auch wichtiges. Irgendwie fand ich mich also in einer Art Klassenzimmer, ein ziemlich großes wohlgemerkt. Ich saß wie ein Schüler an einem Tisch, eine Reihe vor mir, auf einer Erhebung, einige ältere Herren, bebrillt und nicht gerade mit freundlichen Gesichtsausdrücken versehen. Irgendwann meint einer der Herren, nach einer längeren Rede, dass die Zensur – er benutzte ein anderes Wort, das ähnlich klang, aber eindeutig als 'Zensur' auszumachen war; wohl ein Fantasiewort oder ein Neologismus – doch das beste sei (!), dass dieses Land je gesehen habe.

Nach Sekunden der Schockstarre springe ich auf und erhebe quasi Einspruch. Ich erkläre mich irgendwie, in dem ich klassische Musik benenne (ich erinnere mich an Händel), die niemand zensieren würde, da sie ein signifikantes Kulturgut darstelle. Wenig später kommen wir, also ich und der 'Vorsitzende' dieses was-auch-immer-Ausschusses, zum Medium Film. Er nennt Jaws und brüskiert sich darüber, wie hier Gewalt gegen Menschen gefeiert würde (ich weiß, das klingt abstrus, aber es handelte sich definitiv um diesen Film). Ich verweise auf die Freiheit der Kunst, versuche ihn davon zu überzeugen, dass auch das Medium Film die gleichen künstlerischen Rechte wie die (klassische) Musik genießen sollen dürfte. Während der ganzen Zeit stehe ich auf verlorenem Posten, denn obwohl der Raum voll mit Menschen ist, so versucht mich doch keiner von ihnen zu unterstützen.

Die ganze Diskussion findet übrigens auf Englisch statt, die Männer, die da erhöht vor mir und den anderen sitzen, tragen lediglich Anzug, keinerlei Uniform oder sonstige besondere Merkmale. Als nächstes kommt The Texas Chain Saw Massacre ins Spiel (dessen Blu-ray ich vorgestern erhalten habe und die ich rezensieren werde – deshalb eventuelle dieser Traum?), nun scheint der ältere Herr sein Stück Fleisch gefunden zu haben, auf das er sich wie ein hungriger Bluthund zu stürzen scheint. Ich komme kaum noch zu Wort, er redet von Menschenverachtung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und anderen hohlen Phrasen. Ich hingegen versuche auf die politischen und gesellschaftlichen Allegorien und Metaphern des Filmes aufmerksam zu machen, zu veranschaulichen, dass besonders dieser Film zu unrecht massiver Zensur zum Opfer fiel. Natürlich wird dies sofort als Nonsens abgestempelt, auch von den anderen Herren, die da oben so beharrlich sitzen, feist und graumeliert.

Da springt plötzlich jemand aus dem Publikum auf, endlich, es ist, da bin ich mir sicher, warum auch immer es er ist, aber er ist es, tumulder auf und kommentiert das Ganze mit nur drei Worten: "Realitätsfern ist das!" und setzt sich wieder. Ich bin froh, dass ich nicht der Einzige bleibe, der hier versucht die Freiheit zu verteidigen – gegen diesen Haufen von ignoranten alten Säcken. Wenig später wird eine Szene aus TCM gezeigt, doch sobald Leatherface die Säge schwingt, setzt eine Art Dinosaurier-Zeichentrickfilm ein, der natürlich familienfreundlich daherkommt und nicht nur mir, sondern auch den anderen im Publikum die Sprache verschlägt, wurde doch jede Kopie des Filmes auf diese Art und Weise zensiert. Es dauert nicht lange, da werfe ich den Terminus 'Faschismus' in den Raum und entgegen der älteren Herren. Wenig später wache ich auf und bin doch leicht verstört … so realitätsfern scheint das ganze Szenario dann ja leider doch nicht.


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Bundestag beschließt die Zensur des Internetz


Ich weiß, wieder mal kein filmischer Inhalt, aber es geht ja schließlich auch um die Zukunft unseres Landes …

Irgendwie paradox: da feiert man sich, seine Demokratie und Freiheit, die nun schon 60 Jahre währt (von nun an wird aber wohl langsam das Ende eingeleitet), selbst, nur um sich gleichzeitig wieder davon zu verabschieden. Richtig, die Bundesrepublik Deutschland feiert 60. Geburtstag, gestern erst, der 17. Juni, einstiger Nationalfeiertag, ein Flaggenmeer säumt den Campus, über den ich somit noch lieber gehe. Doch was jetzt? Vor wenigen Stunden hat der Deutsche Bundestag nämlich endgültig das 'Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen' (klar, man kann sich alles schön reden) beschlossen. Umsonst, die Petition, die in wenigen Wochen fast 150.000 Unterschriften verbuchen konnte, umsonst, all der Widerstand der Webgemeinde. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht, wie es weiter geht, einige nehmen aber schon das Wort Bundesverfassungsgericht in den Mund

Nein, das darf es noch nicht gewesen sein, oder wie ich zu sagen pflege: Nein, das möchte ich nicht! Ich, der stets sagt, dass er sein Land liebt, dass er seinem Land dienen möchte, kann es einfach nicht fassen. Die Bundestagswahl steht uns bevor, doch auch hier weiß ich noch nicht, wie ich mich verhalten soll. Man muss die Politiker, von denen ich einigen durchaus gewisse Sympathieen entgegenbrachte – Frau Dr. von der Leyen war erst vor einem halben Jahr an meiner Schule und hinterließ dort einen netten Eindruck – wachrütteln, ihnen ihren eigenen Non sequitur vor Augen führen und sich im Widerstand üben. @midnightradio formulierte es eigentlich ganz treffend. Und dennoch wird man wohl in den nächsten Tagen noch mehr über die Lage im Iran in den Nachrichten hören als über die Niederlage der Demokratie in Deutschland. Ich habe Dich wirklich gemocht, Internetz, mit all Deinen Marotten und, ja, oftmals auch extremen Inhalten (i.e. 4chan, …). Die Zeit war schön, doch, keine Frage. Ich muss jetzt jedenfalls erst einmal über so einiges nachdenken, aber aufgeben werde ich Dich genau so wenig wie mein Land.

Gez.
Stefan R., einstiges fast-Mitglied der Jungen Union Deutschlands und im Herzen Konservativer


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